Die Straße kommt nicht zur Ruhe. Der Fluss der Autos, die sie in Richtung Innenstadt hinunterfahren, will nicht versiegen. Keine Familien mit Kindern, keine Paare, die vielleicht zu Verwandten möchten oder müssen, immer nur Einzelpersonen sind am Steuer zu sehen. Die Stille, die in früheren Jahrzehnten an solchen Feiertagen die Stadt erbarmungslos ergriff, scheint verschwunden zu sein. Diese unablässige Geschäftigkeit des Verkehrs, die keinen Sinn ergeben will, wirkt fremd, anachronistisch. Das Leben steht nicht still, wie es einst war, nicht einmal für ein paar Stunden. Wer sind diese Menschen und wohin fahren sie, allein in ihren zu groß wirkenden Wagen, denen allzu oft das peinlich Demonstrative anzusehen ist? Auch die Busse sind wie an jedem anderen Tag besetzt. Auf dem Bürgersteig rasen immer wieder junge Leute, Studenten mit teuren, durchorganisierten und seriös anmutenden Markenrucksäcken auf Fahrrädern und Rollern, einige zu Fuß und mit entschlossen forschem Schritt vorbei. Was tun sie hier an diesem Tag? Sie sind sichtlich nicht aus Langeweile unterwegs, sie schlendern nicht, sie sind keine gestrandeten Fremdem, einsam oder traurig sehen sie nicht aus. Die kleinen Querstraßen und ihr Verlauf sind ihnen offensichtlich vertraut, zielgerichtet schlagen sie sie ein, als sei es das Normalste der Welt. Sie scheinen es nicht seltsam zu finden, heute neben dem unverständlichen stetigen Rauschen der Fahrbahn zu sein. Hinter der Fensterscheibe, in der gleichmütigen Wärme des Raums, wird ihr geschäftiges, unentschlüsselbares Tun zu einem nachdenklichen Fragen, zu Zeilen voller ungeschriebener Geschichten.