{"id":98,"date":"2015-05-13T17:26:31","date_gmt":"2015-05-13T15:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/kunsttext.de\/Blog\/?p=98"},"modified":"2024-07-17T11:45:35","modified_gmt":"2024-07-17T09:45:35","slug":"von-alten-schreibfreunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/von-alten-schreibfreunden\/","title":{"rendered":"Von alten Schreibfreunden"},"content":{"rendered":"<p>Langsam wird es etwas w\u00e4rmer. Die Sonne scheint h\u00e4ufiger, die G\u00e4rten rund um das Haus verwandeln sich. Saftig-frisches Gr\u00fcn atmet sich mit tiefen Z\u00fcgen aus der noch feuchten dunklen Erde frei. Rotkehlchen und Heckenbraunellen arbeiten flei\u00dfig am Nestbau, w\u00e4hrend die Amseln offenbar bereits den Nachwuchs versorgen. Mai ist ein Monat ganz aus Licht, hellen Farben und klaren, geraden Formen. Entspannung und Erleichterung h\u00e4ngen in der Luft, in der der Winter endlich nicht mehr nachhallt.<\/p>\n<p>Zu meinen besonderen Begleitern durch diese unvergleichlichen Wochen des Jahres geh\u00f6rte seit unserem Umzug hierher ein gro\u00dfer Flieder, der wohl vor sehr langer Zeit jenseits eines kleinen Zauns, etwa 15 Meter von meinem Schreibtisch entfernt, sich h\u00e4uslich eingerichtet hatte. An diesem sonnigen Platz zwischen einer imposanten Weigelie und einer Hauswand muss es ihm sehr gut gefallen haben, denn er wurde kr\u00e4ftig und wundersch\u00f6n. Seine wei\u00dfen Bl\u00fctentrauben, das gesunde Holz und die romantisch anmutenden Zweige verliehen allem, was ihn umgab, einen vertr\u00e4umt-l\u00e4ndlichen, Gelassenheit und Selbstbewusstsein ausstrahlenden Charme.<br \/>\nWas mich aber immer wieder verzauberte, war sein Duft. Jeden Tag, am fr\u00fchen Abend, in jenen Stunden, in denen die noch zu junge Fr\u00fchlingssonne die Kr\u00e4fte verlassen, doch die Nacht noch lange nicht einbricht, erreichte mich sein blumiger Hauch. Gerade dann, wenn ich zu besch\u00e4ftigt gewesen w\u00e4re, um bewusst an ihn zu denken und mich an seinem atemberaubenden Anblick zu erfreuen, zwang mich seine Botschaft, f\u00fcr einen kurzen, magischen Augenblick innezuhalten. Und immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich ihm dankbar und vertraut zul\u00e4chelte. Sein Duft brachte W\u00e4rme und Geborgenheit in meine Gedanken, streichelte sch\u00fctzend meine Haut. In den letzten zehn Jahren wurde er so f\u00fcr mich mehr als nur ein Baum. Er war ein Freund, und sein Duft schenkte mir Zuversicht.<\/p>\n<p>Im vergangenen Sommer zogen neue Mieter ins Nachbarhaus ein. Eines sch\u00f6nen Samstagmorgens in aller Fr\u00fche kreischte eine S\u00e4ge, als w\u00fcrden Schmerzensschreie den fr\u00fchen Tag zerrei\u00dfen.<br \/>\nAnstelle des sch\u00f6nen alten Flieders, der unz\u00e4hlige Gewitter, St\u00fcrme, Hagelunwetter und sonstiges Ungemach viele Jahrzehnte lang schadlos und stolz \u00fcberstanden hatte, steht nun eine stylische Gartendusche.<\/p>\n<p>Nun, in diesen Tagen, ist die Zeit gekommen, da er mich wieder begleiten sollte. Aber er ist nicht mehr da.<br \/>\nDas junge P\u00e4rchen, das ich nur fl\u00fcchtig und aus der Ferne gesehen habe, werde ich\u00a0\u2013 einem etwas komplexen Grundst\u00fcckszuschnitt sei Dank\u00a0\u2013 h\u00f6chstwahrscheinlich niemals pers\u00f6nlich kennenlernen. Es ist gut so. Denn wer auch immer sie sein m\u00f6gen\u00a0\u2013 ich kann ihnen nicht verzeihen.<br \/>\nMein guter alter Freund fehlt mir sehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Langsam wird es etwas w\u00e4rmer. 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Zu meinen besonderen Begleitern durch diese unvergleichlichen Wochen des Jahres geh\u00f6rte seit unserem Umzug hierher ein gro\u00dfer Flieder, der wohl vor sehr langer Zeit jenseits eines&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/von-alten-schreibfreunden\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Von alten Schreibfreunden<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[3,8,6,16],"class_list":["post-98","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kuenstleralltag","tag-alltag","tag-erinnerungen","tag-jahreszeiten","tag-martine-paulauskas","ratio-natural","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":192,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98\/revisions\/192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=98"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}