{"id":73,"date":"2014-01-06T16:59:08","date_gmt":"2014-01-06T15:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kunsttext.de\/Blog\/?p=73"},"modified":"2023-12-05T11:24:19","modified_gmt":"2023-12-05T10:24:19","slug":"von-neuanfaengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/von-neuanfaengen\/","title":{"rendered":"Von Neuanf\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<p>Es begann mit einem Radiergummi und einem Bleistift.<br \/>\nKurz vor Beginn eines jeden Schuljahres bekam ich von meinen Eltern ab der 2. Klasse\u00a0&#8211; neben den notwendigen Heften, B\u00fcchern und sonstigen vorgeschriebenen Utensilien\u00a0&#8211; immer einen neuen Bleistift und ein neues Radiergummi geschenkt. Oft waren die bisherigen kaum benutzt und h\u00e4tten durchaus f\u00fcr ein weiteres Jahr gen\u00fcgt, aber es spielte keine Rolle. Dieser Brauch, der nicht zuletzt in ihrer \u00dcberzeugung gr\u00fcndete, dass man nur mit guten Werkzeugen gute Arbeit leisten k\u00f6nne, sollte f\u00fcr mich auch eine Art vertragliche Verpflichtung sein, im Gegenzug die besten Ergebnisse nach Hause zu bringen. Tats\u00e4chlich entging mir die gesch\u00e4ftliche Seite dieses Geschenks in keiner Weise, doch sie st\u00f6rte mich auch nicht. Der brandneue Bleistift und das jungfr\u00e4uliche Radiergummi wurden im Laufe der Zeit nicht nur zu einer lieb gewonnenen Gewohnheit, sondern auch zu dem festen Bestandteil eines beinahe abergl\u00e4ubischen Rituals, das ich durch Studium, Promotion und Habilitation hinweg beibehielt.<br \/>\nErst als ich mich selbst\u00e4ndig machte und mein Leben nicht mehr durch Schuljahre und Wintersemester rhythmisiert wurde, gab ich diese Tradition auf. Ich tat es sehr ungern, betrachtete ich es doch als Verlust meiner Jugend.<\/p>\n<p>Die Sehnsucht nach einem frischen, strahlend wei\u00dfen, unbelasteten, euphorisch-verhei\u00dfungsvollen Neubeginn aber blieb. Der rein kalendarische Umbruch der Silvesternacht vermochte mich in seiner Willk\u00fcrlichkeit nie zu \u00fcberzeugen, und die kleinen Surrogate des profanen Alltags wie regelm\u00e4\u00dfige Entr\u00fcmpelungsaktionen oder das Umorganisieren von Schubladen boten nur ein sehr blasses und schnell vergessenes Abbild dessen, was Radiergummi und Bleistift bedeutet hatten.<br \/>\nSelbst der Wechsel der Jahreszeiten und jene Neuanf\u00e4nge, die K\u00fcnstler mit jedem neuen Projekt, mit jeder leeren ersten Seite zu erleben glauben, waren nur ein schwacher Ersatz. Lediglich ein Umzug vor zehn Jahren beschwor das alte Gef\u00fchl wieder herauf.<\/p>\n<p>In den letzten Wochen aber kehrte ein wenig von diesem lang vermissten Hochgef\u00fchl zur\u00fcck. Der Umbau der Homepage und der Blogs, der Gewinn an Einklang, Ehrlichkeit und Selbsttreue, der sich daraus ergibt, kommen der Tabula rasa aus alten Schultagen sehr nah. Zum ersten Mal seit langer Zeit f\u00fchlt sich das Leben wieder frischer und luftdurchfluteter an. Ob damit ein tats\u00e4chlicher Erfolg verbunden ist oder nicht, ist dabei vorerst nicht einmal so wichtig. Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich ganz bewusst ein neues Radiergummi aus seiner Verpackung geholt. Ein wunderbarer, hoffnungsfreudiger Augenblick.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begann mit einem Radiergummi und einem Bleistift. Kurz vor Beginn eines jeden Schuljahres bekam ich von meinen Eltern ab der 2. Klasse\u00a0&#8211; neben den notwendigen Heften, B\u00fcchern und sonstigen vorgeschriebenen Utensilien\u00a0&#8211; immer einen neuen Bleistift und ein neues Radiergummi geschenkt. 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