{"id":64,"date":"2012-08-06T16:47:06","date_gmt":"2012-08-06T14:47:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kunsttext.de\/Blog\/?p=64"},"modified":"2023-12-05T11:23:05","modified_gmt":"2023-12-05T10:23:05","slug":"wie-text-zum-projekt-werden-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wie-text-zum-projekt-werden-kann\/","title":{"rendered":"Wie Text zum Projekt werden kann"},"content":{"rendered":"<p>Textprojekte spielen in unserer Zeit eine verschwindend kleine Rolle. In unserer Welt der Bildchen und Kl\u00e4nge sind sie offenbar wenig attraktiv und nicht medientr\u00e4chtig genug. Dies gilt insbesondere f\u00fcr den europ\u00e4ischen Raum. Das zwischen Blogosph\u00e4re und Realit\u00e4t vermittelnde <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=233\">Buch der Blogger<\/a><\/span>, das <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.textloft.de\/dasblog\/?p=257\">ein solches Experiment<\/a><\/span> h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, war leider an der <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.spontis.de\/vernetzt\/das-buch-der-blogger\/\">Unehrlichkeit einer Teilnehmerin<\/a><\/span> gescheitert. Um so erfreuter war ich, in den letzten Wochen, dank des hervorragenden Blogs von Nifty &#8222;<span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.notebookstories.com\/\">Notebook Stories<\/a><\/span>&#8220; , drei beeindruckende Aktionen zu entdecken, die Text und Schreiben zum Hauptwerkzeug haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.writeinmyjournal.com\/about\/\"><span style=\"color: #cd853f;\">David<\/span><\/a> verl\u00e4sst das Haus nie ohne sein Notizbuch. Begegnet er Menschen, die ihm interessant scheinen, geht er mit der Aufforderung auf sie zu: &#8222;<span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.writeinmyjournal.com\/\">Write in my journal<\/a><\/span>&#8222;, die auch Titel seines Blogs ist. Einige schreiben nur eine Zeile, andere mehrere Seiten. Und so sammelt David Handschriften und Geschichten, Schnappsch\u00fcsse eines Lebens oder eines Augenblicks. Er ver\u00f6ffentlicht sie zusammen mit einer kurzen Vorstellung und einem Foto der entsprechenden Person in der Umgebung, in der sich ihre Wege gekreuzt haben. Es entsteht ein Kaleidoskop aus Pers\u00f6nlichkeiten, Schicksalen und Momenten, das Fl\u00fcchtiges f\u00fcr immer festh\u00e4lt und archiviert. Ich hoffe, dass David sein Projekt noch lange f\u00fchren wird. Menschen wie er sind es, die den kulturellen Wert unserer Zeit aufrechterhalten, indem sie es verstehen, die neuen Medien im Dienste von Kunst und Geschichte zu nutzen.<br \/>\nIch habe dar\u00fcber nachgedacht, wie hier bei uns ein solches Projekt zu realisieren w\u00e4re. In meinem Hinterkopf h\u00f6rte ich die Begriffe &#8222;Privatsph\u00e4re&#8220;, &#8222;Datenschutz&#8220; und noch einige mehr. Nun ja.<\/p>\n<p>Eine interessante Denk- und Schreib\u00fcbung stellt auch das Blog-Projekt &#8222;<span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.onesentence.org\/\">One sentence<\/a><\/span>&#8220; dar. Die Artikel bestehen im eigentlichen Sinn aus Kommentaren, bei denen es darum geht, das Leben in einem einzigen Satz zusammenzufassen.<\/p>\n<p>Ein Kunstprojekt der besonderen Art hat Nicole Kenney gestartet. Unter dem harmlos erscheinenden Titel &#8222;<span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"http:\/\/beforeidieiwantto.org\/about.html\">Before I die I want to<\/a><\/span>&#8220; sammelt sie Zeugnisse menschlicher W\u00fcnsche, Tr\u00e4ume und Hoffnungen. Unter einem Polaroid-Foto schreiben Menschen das, was sie vor ihrem Tod unbedingt tun oder erleben wollen. Das Projekt wird in <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"http:\/\/beforeidieiwantto.org\/usa_nyc.html\">verschiedenen St\u00e4dten in den USA<\/a><\/span>, in <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"http:\/\/beforeidieiwantto.org\/india_delhi.html\">Indien<\/a><\/span> und auch in der besonderen Situation des <a href=\"http:\/\/beforeidieiwantto.org\/hospice_patients.html\"><span style=\"color: #cd853f;\">Hospi<\/span>z<\/a>&#8218; durchgef\u00fchrt. Handschrift und Gesicht m\u00fcnden in anr\u00fchrenden S\u00e4tzen auf dem wei\u00dfen Streifen unter dem Bild.<br \/>\nDiese Aktion hat mich an ein Projekt einer New Yorker K\u00fcnstlerin, deren Name mir leider entfallen ist, erinnert, das vor einigen Jahren gro\u00dfen Anklang in den Medien und so sogar Einzug in eine Folge der Krimi-Serie &#8222;CSI: New York&#8220; gefunden hatte: Sie hatte in der ganzen Stadt New York in m\u00fchsamer Klein- und Laufarbeit in Caf\u00e9s, Kiosken, Restaurants, Lebensmittelgesch\u00e4ften und Waschsalons mehrere Hunderttausend Postkarten in St\u00e4ndern aufgestellt. Die Vorderseite der Postkarte war leer, auf der R\u00fcckseite stand als Empf\u00e4ngeranschrift die Adresse der K\u00fcnstlerin. Auf der Vorderseite sollten Menschen anonym, durch Text, Zeichnung, Foto oder andere Medien etwas berichten, wor\u00fcber sie sich sch\u00e4men oder womit sie anderen Unrecht getan hatten. Binnen weniger Wochen waren die Postkarten alle aufgebraucht und mussten nachgedruckt werden, obwohl die K\u00fcnstlerin das Porto nicht \u00fcbernahm und jeder das K\u00e4rtchen selbst frankieren musste. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter konnte sie eine halbe Million Karten an Pinnw\u00e4nden befestigen und fotografieren. Die Fotos der Pinnw\u00e4nde wurden zusammen mit den beeindruckenden Zeugnissen in einem Bildband ver\u00f6ffentlicht. Auch hier mag ich nicht dar\u00fcber nachdenken, wie ein solches Projekt in Deutschland verlaufen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mir machen diese Projekte jedenfalls Hoffnung: Auch wenn wir hier wenig davon mitbekommen, ist der Text nicht \u00fcberall tot und er ist weiterhin Teil der Kunst. Ein tr\u00f6stender Gedanke.<\/p>\n<p class=\"important\">NACHTRAG !! Gerade entdeckt: <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"http:\/\/postmuse.blogspot.de\/\">Postmuse<\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"important\">NACHTRAG 2, 25 August 2012: Gerade entdeckt: <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.angelinthenorth.com\/2012\/08\/23\/the-travelling-notebooks-project\/\">The-travelling-notebooks-project<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Textprojekte spielen in unserer Zeit eine verschwindend kleine Rolle. In unserer Welt der Bildchen und Kl\u00e4nge sind sie offenbar wenig attraktiv und nicht medientr\u00e4chtig genug. Dies gilt insbesondere f\u00fcr den europ\u00e4ischen Raum. Das zwischen Blogosph\u00e4re und Realit\u00e4t vermittelnde Buch der Blogger, das ein solches Experiment h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, war leider an der Unehrlichkeit einer Teilnehmerin gescheitert. Um so erfreuter war ich, in den letzten Wochen, dank des hervorragenden Blogs von Nifty &#8222;Notebook Stories&#8220; , drei beeindruckende Aktionen zu entdecken, die Text und Schreiben zum Hauptwerkzeug haben. David verl\u00e4sst das Haus nie ohne sein Notizbuch. 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