{"id":55,"date":"2010-01-10T16:35:27","date_gmt":"2010-01-10T15:35:27","guid":{"rendered":"https:\/\/kunsttext.de\/Blog\/?p=55"},"modified":"2023-12-28T16:57:35","modified_gmt":"2023-12-28T15:57:35","slug":"schneetreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/schneetreiben\/","title":{"rendered":"Schneetreiben"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadt versinkt im Schnee.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal seit Jahren hat es drei Tage lang fast ununterbrochen geschneit. Eine so dichte wei\u00dfe Decke hatte M\u00fcnster lange nicht mehr gesehen. Klein, aber beharrlich und flei\u00dfig haben sich die Flocken bis in jede noch so kleine Ecke gewagt, bis ihnen nichts mehr widerstand. Auf den pinkfarbenen Alpenveilchen, die auf der Terrasse seit September reich und unaufh\u00f6rlich bl\u00fchten, den antiken Regalen des T\u00f6pfchengartens und dem Stroh, das die in der milden Novembersonne zu fr\u00fch gekeimten Tulpen sch\u00fctzt, bilden sie nun ein malerisches Bild. Und doch vermag es die Sch\u00f6nheit des Augenblicks nicht ganz, die K\u00e4lte vergessen zu lassen. Stunde um Stunde wird die Welt ebener und ruhiger, verschlossener, verlorener.<\/p>\n<p>Bei molliger W\u00e4rme am Schreibtisch lie\u00dfe sich der ungew\u00f6hnlich gewordene Anblick sicher genie\u00dfen.<br \/>\nDoch die Wohnung ist zugig.<br \/>\nSehr zugig.<br \/>\nDer Versuch, dem eisigen Wind, der durch Fensterrahmen und undichtes Mauerwerk unerbittlich und stetig eindringt, mit Zeitungspapier und \u00e4hnlichen Vorrichtungen beizukommen, gelingt fast. W\u00e4re da nicht die w\u00fctende Luft. Kaum ist eine undichte Stelle erfolgreich verschlossen, gibt sich die Luft gereizt und r\u00e4cht sich, indem sie andere, immer neue Ritzen nutzt, um die R\u00e4ume mit noch mehr Kraft zu belagern, bis sie aufgeben und die Eroberung zulassen. So bleibt nur die Flucht unter flauschige Decken, um die Arbeit am Schreibtisch einigerma\u00dfen ertr\u00e4glich zu machen &#8211; wenn auch abends trotz des warmen Stoffs der verk\u00fchlte Nacken und das Kreuz steif geworden sind und schmerzen und die eiskalten Finger die schnellen Bewegungen auf der Tastatur nicht mehr sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Der rassig-r\u00f6stige Duft aus der Caffettiera und das dunkle Aroma des Kakaos erf\u00fcllen tr\u00f6stend und rettend den Raum, w\u00e4hrend drau\u00dfen die Verwehungen unbarmherzig st\u00e4rker werden und das Kerzenlicht bem\u00fcht so etwas wie Geborgenheit vort\u00e4uscht.<br \/>\nGeduldig und dem\u00fctig wartet das Haus auf den Fr\u00fchling.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt versinkt im Schnee. Zum ersten Mal seit Jahren hat es drei Tage lang fast ununterbrochen geschneit. Eine so dichte wei\u00dfe Decke hatte M\u00fcnster lange nicht mehr gesehen. 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