{"id":168,"date":"2016-05-23T10:57:00","date_gmt":"2016-05-23T08:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kunsttext.de\/Blog\/?p=168"},"modified":"2023-12-05T11:28:18","modified_gmt":"2023-12-05T10:28:18","slug":"artketing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/artketing\/","title":{"rendered":"Artketing"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff &#8222;Artketing&#8220;, der zu der Liste meiner Leistungen f\u00fcr Auftraggeber geh\u00f6rt, l\u00f6st bei den Besuchern meiner Websites unterschiedliche Reaktionen aus. W\u00e4hrend einige annehmen, ich h\u00e4tte einen Tippfehler \u00fcbersehen und es m\u00fcsse an dieser Stelle sicherlich etwas ganz anderes stehen, vermuten die meisten einfach eine ihnen unbekannte Modeerscheinung. Tats\u00e4chlich liegt kein Rechtschreibfehler vor, und es handelt sich auch nicht um einen Trend. Vielmehr gibt es Artketing schon sehr lange \u2013 lediglich die Bezeichnung ist relativ neu.<\/p>\n<p>Etymologisch setzt sich &#8222;Artketing&#8220; aus &#8222;Art&#8220; (f\u00fcr Kunst) und &#8222;Marketing&#8220; zusammen. Wider Erwarten kommt diese Sprachsch\u00f6pfung nicht aus dem Englischen, sondern aus dem Franz\u00f6sischen.<br \/>\nW\u00f6rtlich genommen ist es die Nutzung von Kunst im Marketing. Wenn ein Unternehmen einen weltber\u00fchmten K\u00fcnstler beauftragt, eine Werbung oder eine Verpackung in dem f\u00fcr ihn typischen Stil und mit seiner unverwechselbaren Handschrift anzufertigen \u2013 z.B. wenn ein Maler Etiketten f\u00fcr Spirituosen oder eine Reihe von Bechern f\u00fcr eine Coffee to go-Marke entwirft, ein Bildhauer einen Parfumflakon designt oder ein Architekt ein Computergeh\u00e4use gestaltet \u2013, dann ist es Artketing.<\/p>\n<p>Neben dieser urspr\u00fcnglichen traditionellen Bedeutung kann Artketing sehr unterschiedliche Facetten aufweisen. Einige Haute Couture-H\u00e4user etwa wenden sich an mittlerweile wie <span style=\"color: #cd853f;\"><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.harpersbazaar.de\/read\/fashion\/la-signature-de-nicolas-ouchenir-11500.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><span style=\"text-decoration: none; text-underline: none;\">Popstars gefeierte Kalligraphen<\/span><\/strong><\/a><\/span>, um ihren \u00f6ffentlichen Auftritten oder ihren Mailings den gew\u00fcnschten exklusiven Charakter zu verleihen. Auch die Promotion eines an sich kunstfremden Produkts durch eine Kunstveranstaltung kann eine Form von Artketing sein. W\u00e4hrend M\u00e4zenat durchaus dann als Artketing zu betrachten ist, wenn eine Kunstveranstaltung nicht durch ein Unternehmen als Sponsor finanziell unterst\u00fctzt wird, sondern einzig und allein zur Bewerbung der kommerziellen Marke dient und zu diesem Zweck organisiert wird, darf Artketing jedoch nicht mit der sogenannten Prominenten-Werbung verwechselt werden: Artketing bezieht sich nicht auf die Person des K\u00fcnstlers, sondern ausschlie\u00dflich auf seine Arbeit, und ist nur dann gegeben, wenn entweder die Wiedererkennbarkeit oder der Wert der k\u00fcnstlerischen Leistung in den Dienst der Attraktivit\u00e4t der Marke oder eines bestimmten Produkts gestellt wird und die handwerkliche Fertigkeit Kunstwert hat. Entscheidend ist, dass durch die Einbringung von Kunst in den Marketingprozess ein Erhaltungswunsch geschaffen wird. Die Werbung oder das gestaltete Produkt m\u00fcssen also einen eigenen Kunstwert jenseits der Werbebotschaft und des tats\u00e4chlichen Inhalts besitzen. Dies ist zum Beispiel gegeben, wenn Verpackungen als Sammelobjekt betrachtet werden k\u00f6nnen. Die Person des K\u00fcnstlers tritt wie sonst in der echten Kunst auch in den Hintergrund. Die Grenzen zwischen Artketing und Grafikdesign k\u00f6nnen mitunter flie\u00dfend sein und definieren sich vornehmlich durch den Grad an sch\u00f6pferischem Wert, Unikatstellung, Handarbeit und Unreproduzierbarkeit \u2013 an Andy Warhols Suppendosen scheiden sich sozusagen die Geister.<\/p>\n<p>Artketing ist eine f\u00fcr Kunst und Marketing gleicherma\u00dfen n\u00fctzliche und profitable Vereinbarung. Die Tatsache, dass ein (unter Umst\u00e4nden idealerweise ber\u00fchmter) K\u00fcnstler sein Werk und seinen guten Namen f\u00fcr ein kommerzielles Produkt hergibt, wertet die Marke unermesslich auf. Dies trifft um so mehr zu, als allgemein bekannt ist, dass K\u00fcnstler sich nicht ohne Weiteres &#8222;verkaufen&#8220;, sehr prinzipien- und selbsttreu sind und besonders anspruchsvolle qualitative Ma\u00dfst\u00e4be haben. Willigt ein K\u00fcnstler mit hohem Ansehen in die Zusammenarbeit mit einer Marke ein, so ist dies f\u00fcr sie eine Auszeichnung und ein wertvolles Signal. Honorar und Umsatzsteigerung stehen in einer solchen Konstellation immer in einem besonders attraktiven Verh\u00e4ltnis. Eine Ma\u00dfnahme dieser Art vermittelt zudem die Botschaft, dass das Unternehmen in der Lage ist, \u00fcber den Tellerrand hinaus zu schauen, sich f\u00fcr Detailfragen und Qualit\u00e4t interessiert und innovative, menschlich-emotionale Wege geht.<br \/>\nParallel zu dieser kaum zu beziffernden Imagewirkung ergibt sich auch ein unmittelbarer Verkaufseffekt. Viele, die vielleicht niemals Interesse an dem Produkt h\u00e4tten, kaufen es als Sammelobjekt \u2013 oder einfach um &#8222;dabei&#8220;, um Teil einer ungew\u00f6hnlichen Aktion gewesen zu sein, bisweilen auch weil es f\u00fcr sie die Gelegenheit ist, ein St\u00fcck Kunst zu erwerben, was ihnen finanziell sonst versagt bliebe.<br \/>\nF\u00fcr junge und weniger prominente K\u00fcnstler ist Artketing im Gegenzug eine ebenso gewinnbringende M\u00f6glichkeit, jenseits eines reinen M\u00e4zenats bekannter und begehrter zu werden. Es ist schon vorgekommen, dass Graffitisprayer \u00fcber Artketing den Weg aus der illegalen zur legalen und entlohnten Kunst gefunden haben.<\/p>\n<p>Artketing ist <span style=\"color: #cd853f;\"><strong><a style=\"color: #cd853f;\" href=\"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/kunst-freiheit-und-auftrag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine immer sinnvolle Symbiose<\/a><\/strong><\/span> und im Grunde der Idealfall des Marketings: Aufmerksamkeit durch Originalit\u00e4t, Einzigartigkeit, \u00dcberraschungseffekt. Eine kunstgest\u00fctzte Werbung wird nicht \u00fcbersehen und bleibt unvergesslich, setzt sich als ungew\u00f6hnlich, wertsch\u00f6pfend, aber auch sympathisch in der Vorstellung der Konsumenten fest, und erhebt eine ganze Marke auf eine andere qualitative Ebene.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff &#8222;Artketing&#8220;, der zu der Liste meiner Leistungen f\u00fcr Auftraggeber geh\u00f6rt, l\u00f6st bei den Besuchern meiner Websites unterschiedliche Reaktionen aus. W\u00e4hrend einige annehmen, ich h\u00e4tte einen Tippfehler \u00fcbersehen und es m\u00fcsse an dieser Stelle sicherlich etwas ganz anderes stehen, vermuten die meisten einfach eine ihnen unbekannte Modeerscheinung. Tats\u00e4chlich liegt kein Rechtschreibfehler vor, und es handelt sich auch nicht um einen Trend. Vielmehr gibt es Artketing schon sehr lange \u2013 lediglich die Bezeichnung ist relativ neu. Etymologisch setzt sich &#8222;Artketing&#8220; aus &#8222;Art&#8220; (f\u00fcr Kunst) und &#8222;Marketing&#8220; zusammen. 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