{"id":108,"date":"2017-03-16T17:38:47","date_gmt":"2017-03-16T16:38:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kunsttext.de\/Blog\/?p=108"},"modified":"2023-12-05T11:28:33","modified_gmt":"2023-12-05T10:28:33","slug":"kunst-freiheit-und-auftrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/kunst-freiheit-und-auftrag\/","title":{"rendered":"Kunst, Freiheit und Auftrag"},"content":{"rendered":"<p>Brotjobs, die K\u00fcnstler annehmen k\u00f6nnen, um ihre Eink\u00fcnfte aufzubessern oder \u00fcberhaupt ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, k\u00f6nnen in dreierlei Kategorien eingeordnet werden: die vollkommen kunstfernen T\u00e4tigkeiten &#8211; wie Taxifahren, Kellnern und dergleichen, die den Vorteil haben, dass sie ein regelm\u00e4\u00dfiges Einkommen und einen freien Kopf f\u00fcr die eigene, wichtigere Arbeit gew\u00e4hrleisten -, die kunstnahen Leistungen wie etwa Unterricht im eigenen Fach, oder die Auftragsarbeit, zum Beispiel f\u00fcr Unternehmen. Letztere wird von K\u00fcnstlern und Nichtk\u00fcnstlern gleicherma\u00dfen kritisch be\u00e4ugt, stellt sie doch sowohl die Integrit\u00e4t des K\u00fcnstlers als auch die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit seiner Arbeit f\u00fcr den Auftraggeber in Frage. Ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, im Auftrag Freiheit und Selbsttreue zu wahren? Und kann freies k\u00fcnstlerisches Schaffen dem Unternehmen wirklich von Nutzen sein?<\/p>\n<p>Dass K\u00fcnstler zu allen Zeiten f\u00fcr kleine und gro\u00dfe Kunden Werke oder sogar Werkreihen auf Bestellung angefertigt haben, beantwortet die Frage zumindest aus kunsthistorischer Sicht. Auftr\u00e4gen von Kirchenvertretern, Gro\u00dfb\u00fcrgertum, Geldadel und Politik verdanken wir Sch\u00e4tze der bildenden Kunst, die wir heute nicht missen m\u00f6chten, und dass auch die gro\u00dfen Namen sich in den Dienst zahlungskr\u00e4ftiger Kunden gestellt haben, zeigt aufschlussreich, wie wichtig dies aus wirtschaftlicher Sicht sein kann. Es w\u00e4re allerdings falsch, in dieser Konstellation ausschlie\u00dflich eine Frage des finanziellen \u00dcberlebens zu sehen. In unser heutiges Vokabular \u00fcbertragen m\u00fcssen solche Arbeitsphasen durchaus als kluge und langfristig angelegte PR- und Marketingma\u00dfnahmen bezeichnet werden, die dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad des K\u00fcnstlers zu erh\u00f6hen und so eine neugierige und m\u00f6glicherweise an K\u00e4ufen interessierte \u201eCommunity\u201c aufzubauen. Das jahrhundertealtes System hat also nichts an Aktualit\u00e4t und Relevanz verloren.<\/p>\n<p>Die Freiheit des K\u00fcnstlers, sein Werk so zu gestalten, wie er es f\u00fcr richtig h\u00e4lt, und seinen Anspr\u00fcchen, Ma\u00dfst\u00e4ben und Vorstellungen, seinem \u201eStatement\u201c treu zu bleiben, darf allerdings nicht nur \u201eauch\u201c, sondern \u201egerade\u201c im Rahmen der Auftragsarbeit um jeden Preis erhalten bleiben \u2013 und zwar im Sinne und zum Vorteil beider Seiten.<br \/>\nF\u00fcr ein Unternehmen kann das Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit nur dann gewinnbringend sein, wenn der K\u00fcnstler sich nicht unterwirft, sondern sich und seinen Stil erkennbar einbringen kann. Dies bedeutet auch, dass der Auftraggeber die Bereitschaft mitbringen muss, sich gegebenenfalls vom Werk des K\u00fcnstlers \u00fcberraschen zu lassen, dass er ihm eine andersartige, frische und unerwartete Perspektive auf die eigene Identit\u00e4t gestatten muss. Aus der besonderen Betrachtungsweise des K\u00fcnstlers erw\u00e4chst eine neue, breitere und vielschichtigere Dimension des Unternehmens, die dieses wiederum f\u00fcr sich nutzbringend ergr\u00fcnden und verwenden kann. Diese fremde und ungewohnte Sichtweise kann dem Unternehmen helfen, sich selbst anders zu sehen, Eigenschaften und Potentiale zu erkennen und auszuforschen. Der Blick des K\u00fcnstlers kann als \u201eEntwicklerbad\u201c fungieren und zur Bewusstwerdung einer intern objektiveren und extern intensiveren Unternehmensrealit\u00e4t f\u00fchren.<\/p>\n<p>Auftragsarbeit ist f\u00fcr K\u00fcnstler und Auftraggeber dann sinnvoll, wenn sie auf Augenh\u00f6he geschieht und f\u00fcr beide Seiten mit ausgeglichenen Vorteilen verbunden ist: f\u00fcr den K\u00fcnstler in Kategorien von Bekanntheit und Einkommen, f\u00fcr das Unternehmen als Werkzeug eines hochwertigen Images und einer originellen Positionierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brotjobs, die K\u00fcnstler annehmen k\u00f6nnen, um ihre Eink\u00fcnfte aufzubessern oder \u00fcberhaupt ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, k\u00f6nnen in dreierlei Kategorien eingeordnet werden: die vollkommen kunstfernen T\u00e4tigkeiten &#8211; wie Taxifahren, Kellnern und dergleichen, die den Vorteil haben, dass sie ein regelm\u00e4\u00dfiges Einkommen und einen freien Kopf f\u00fcr die eigene, wichtigere Arbeit gew\u00e4hrleisten -, die kunstnahen Leistungen wie etwa Unterricht im eigenen Fach, oder die Auftragsarbeit, zum Beispiel f\u00fcr Unternehmen. Letztere wird von K\u00fcnstlern und Nichtk\u00fcnstlern gleicherma\u00dfen kritisch be\u00e4ugt, stellt sie doch sowohl die Integrit\u00e4t des K\u00fcnstlers als auch die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit seiner Arbeit f\u00fcr den Auftraggeber in Frage. Ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, im&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/kunst-freiheit-und-auftrag\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Kunst, Freiheit und Auftrag<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[3,12,13,16,15],"class_list":["post-108","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kuenstlerische-textarbeit","tag-alltag","tag-auftragsarbeiten","tag-kuenstler","tag-martine-paulauskas","tag-projekte","ratio-natural","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=108"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":179,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108\/revisions\/179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsttext.de\/Blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}